Nächtliche Luftaufnahme einer Stadt, darüber leuchtende Polygone abgegrenzter Planungsgebiete und feine Routenlinien
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Verfahren

Gebietsplanung: erst das Gebiet, dann die Tour.

Fast jede Disposition plant in Gebieten: Nord, Mitte, Süd, dazu ein Fahrer je Bezirk. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern das älteste Verfahren der Tourenplanung – cluster first, route second. Es stammt aus einer Zeit, in der ein Rechner für hundert Stopps zwei Minuten brauchte. Die Frage ist, welche seiner Annahmen heute noch gelten.

12 MinutenStand Oktober 2026eviit GmbH

Vier Daten, die zeigen, wie alt dieses Verfahren ist – und wie selbstverständlich es bis heute mitläuft:

1972
Jahr der Arbeit, auf die der Sweep in Google OR-Tools als Startstrategie bis heute verweist: Fahrzeugeinsatzplanung von einem oder mehreren Depots aus2
115 s
Rechenzeit des Sweep-Algorithmus für ein Problem mit 100 Standorten auf einer IBM 360/67 – der Grund, warum man die Aufgabe überhaupt zerlegte3
1981
Fisher und Jaikumar formulieren die Zuordnung als generalisiertes Zuordnungsproblem; ihr Verfahren findet immer eine zulässige Lösung, wenn eine existiert – als einziges der dort verglichenen Heuristiken4
3.700
Kunden im Realdatensatz, an dem die Forderung nach konstanten Fahrern und gleichen Besuchszeiten als eigenes Routingproblem untersucht wurde7

Was Gebietsplanung ist

Gebietsplanung ist ein eigener Problemtyp des Operations Research, nicht bloß eine Dispositionsgewohnheit. Ihr Ziel ist, kleine geographische Einheiten – sogenannte Basisgebiete wie Straßenzüge, Postleitzahlbereiche, Stadtteile oder Landkreise – zu übergeordneten Gebieten zusammenzufassen: Bezirken, Clustern, Territorien.1 Die Anwendungsfelder reichen von Wahlkreisen über Vertriebsgebiete und Schulbezirke bis zu den Einsatzgebieten von Müllabfuhr und Winterdienst.

Die Kriterien sind in allen Feldern dieselben und erstaunlich wenige:1

  • Ausgeglichenheit. Die Gebiete sollen ungefähr gleich stark sein – gemessen an Einwohnerzahl, Kaufkraft, Menge oder Arbeitsauslastung. Welches Maß gewählt wird, entscheidet mehr über das Ergebnis als jedes Verfahren.
  • Kapazitätsgrenzen. Das Aktivitätsmaß eines Gebiets darf eine Grenze nicht überschreiten. In der Logistik ist das die Fahrzeug- oder Schichtkapazität.
  • Kompaktheit und Zusammenhang. Gebiete sollen eine sinnvolle Form haben und nicht aus verstreuten Inseln bestehen. Die Begründung ist bei Wahlkreisen juristisch, in der Logistik ökonomisch: kurze Anfahrtswege.
  • Exklusive und vollständige Zuordnung. Jede Basiseinheit gehört zu genau einem Gebiet. Das klingt banal und ist der Satz, an dem in der Praxis die meisten Sonderfälle scheitern – der Großkunde, den zwei Fahrer anfahren, ist genau die Verletzung dieser Regel.

In der Tourenplanung ist Gebietsplanung damit nicht ein Thema neben der Optimierung, sondern eine Entscheidung vor ihr. Wer Gebiete festlegt, hat den Lösungsraum der späteren Optimierung bereits zerschnitten. Was danach an Verfahren läuft, steht in unserem Überblick zu den Verfahren der Tourenoptimierung.

Cluster first, route second: ein Kind knapper Rechenleistung

Die Zerlegung in zwei Stufen – erst zuordnen, dann die Reihenfolge innerhalb jeder Gruppe lösen – ist so alt wie die rechnergestützte Tourenplanung selbst. Der bekannteste Vertreter ist der Sweep: Die Stopps werden nach ihrem Polarkoordinatenwinkel um das Depot sortiert und der Reihe nach eingesammelt, bis die Last- oder Entfernungsgrenze eines Fahrzeugs erreicht ist; danach beginnt ein neues Fahrzeug, und innerhalb jeder Gruppe wird die Tour verbessert.3 Die Idee, Fahrzeuge von einem oder mehreren Depots aus so zuzuteilen, geht auf eine Leeds-Arbeit von 1972 zurück, auf die Google OR-Tools bei seiner Startstrategie SWEEP bis heute verweist.29

Der Grund für die Zerlegung steht in derselben Arbeit, und er ist bemerkenswert ehrlich: Der Rechenaufwand wächst nur dann linear mit der Zahl der Standorte, wenn die durchschnittliche Zahl der Stopps je Tour ungefähr konstant bleibt; bei fester Standortzahl wächst er quadratisch mit der Zahl der Stopps je Tour. Ein Problem mit 100 Standorten brauchte rund 115 Sekunden auf einer IBM 360/67.3 Kleine Gruppen zu bilden war keine planerische Überzeugung, sondern die einzige Möglichkeit, überhaupt zu rechnen.

Die zweite klassische Variante ersetzt den Winkel durch Mathematik: Fisher und Jaikumar formulieren 1981 die Zuordnung der Kunden zu Fahrzeugen als generalisiertes Zuordnungsproblem, dessen Zielfunktion die Zustellkosten annähert. Ihr Verfahren hat zwei Eigenschaften, die es bis heute interessant machen: Es findet immer eine zulässige Lösung, wenn eine existiert – was keine der dort verglichenen Heuristiken garantieren konnte –, und es lässt sich parametrisch über die Flottengröße fahren, um die kleinste Flotte zu bestimmen, die die Nachfrage noch bedient.4

Wichtig
Cluster first, route second ist nicht veraltet. Es ist in heutigen Solvern die Startlösung, auf die anschließend eine lokale Suche oder Metaheuristik angesetzt wird – OR-Tools führt neben SWEEP unter anderem auch die Savings-Heuristik von Clarke und Wright als Startstrategie.9 Der Unterschied zur Disposition ist nur: Dort ist die Zerlegung ein Zwischenschritt, den der Optimierer danach wieder aufbrechen darf. Im Organigramm einer Spedition ist sie endgültig.

Die Gegenrichtung: route first, cluster second

Dass die Reihenfolge der beiden Schritte keine Naturkonstante ist, zeigt die Gegenrichtung. 1983 beschreibt Beasley Verfahren, die zuerst eine einzige große Rundreise über alle Stopps bilden und diese anschließend in fahrbare Abschnitte zerschneiden.5 Die Zuordnung zu Fahrzeugen entsteht dabei nicht vorab, sondern als Ergebnis eines optimalen Schnitts durch eine Tour. Die Familie hat sich unter dem Namen order first, split second etabliert und 2014 einen eigenen Überblicksartikel bekommen.6

Praktisch relevant ist das, weil moderne Metaheuristiken genau diese Zerlegung als Decoder verwenden: Eine Lösung wird als Reihenfolge gespeichert und erst beim Bewerten in Touren geschnitten. Wie solche Verfahren arbeiten, steht in unserem Beitrag zu Metaheuristiken in der Tourenoptimierung; die klassische Savings-Heuristik, die weder vorab clustert noch vorab routet, ist in Clarke und Wright beschrieben.

Für die Disposition ist die Gegenrichtung vor allem ein Denkwerkzeug. Sie zeigt, dass die Gebietsgrenze keine Eigenschaft des Versorgungsgebiets ist, sondern eine Entscheidung – und Entscheidungen haben einen Preis, den man ausrechnen kann.

Warum Luftlinien-Cluster die falsche Aufgabe lösen

Der häufigste Fehler bei der Gebietsbildung ist, sie als geometrische Aufgabe zu behandeln: Stopps auf eine Karte, Clusterverfahren darüber, fertig. Das Ergebnis sieht ordentlich aus und ignoriert drei Dinge, die über die Fahrbarkeit entscheiden.

  • Das Straßennetz. Zwei Stopps an gegenüberliegenden Ufern eines Flusses, an zwei Seiten einer Bahntrasse oder beiderseits einer Autobahn ohne Querung liegen in der Luftlinie nebeneinander und in der Fahrzeit weit auseinander. Kompaktheit im Sinne der Gebietsplanung meint kurze Anfahrtswege,1 nicht kurze Abstände. Belastbare Gebiete entstehen deshalb auf einer Fahrzeitmatrix des echten Netzes – bei schweren oder geländegängigen Fahrzeugen auf einem fahrzeugspezifischen Netz, wie wir es im Custom Routing bauen.
  • Die Kapazität. Ein geometrisch schönes Gebiet kann mehr Menge enthalten, als ein Fahrzeug fasst. Kapazität ist in der Gebietsplanung ein eigenes Kriterium,1 in reinen Abstandsverfahren kommt sie nicht vor – deshalb ist der Sweep ausdrücklich mit einer Last- und Entfernungsgrenze je Fahrzeug formuliert.3
  • Die Zeit. Zeitfenster, Standzeiten, Lenk- und Ruhezeiten sind in keinem Abstandsmaß enthalten. Ein Gebiet, das mengenmäßig passt, kann zeitlich unfahrbar sein. Welche Restriktionen über Machbarkeit entscheiden, haben wir in Restriktionen in der Tourenplanung aufgeschrieben, die Fensterseite in Zeitfenstermanagement.

Dazu kommt, dass die Aufgabe selbst nicht durch Hinsehen lösbar ist. Eine eigene Herleitung zur Größenordnung: Bei 60 Lieferstellen und fünf Gebieten gibt es rein kombinatorisch 5 hoch 60 mögliche Zuordnungen, also rund 8,7 mal 10 hoch 41 – und das ohne jede Nebenbedingung und ohne die Reihenfolge innerhalb der Gebiete. Deshalb arbeitet die Literatur seit fünfzig Jahren mit Heuristiken statt mit Vollständigkeit.10

Das eigentliche Argument für feste Gebiete heißt Konstanz

Wer feste Gebiete mit Kilometern begründet, argumentiert schwach: Jede Gebietsgrenze schließt Tauschzüge aus, die eine freie Optimierung nutzen würde. Die gute Begründung ist eine andere – und sie ist in der Forschung ein eigener Problemtyp. Das Consistent Vehicle Routing Problem verbindet die üblichen Kapazitäts- und Tourlängenrestriktionen mit der Anforderung, dass derselbe Fahrer denselben Kunden möglichst immer zur selben Tageszeit besucht; untersucht wurde es unter anderem an einem Realdatensatz mit über 3.700 Kunden.7

Übersetzt in den Alltag: Gebietskenntnis, bekannte Ansprechpartner, eingespielte Abläufe an der Rampe, verlässliche Ankunftszeiten. Das sind echte Werte, sie stehen nur in keiner Kilometerstatistik. Besonders ausgeprägt ist das im Service und Außendienst, wo die Kundenbeziehung Teil der Leistung ist – siehe Routenoptimierung im Außendienst.

Was feste Gebiete allerdings nicht leisten, ist Ausgeglichenheit im Tagesgeschäft. Auch das lässt sich beziffern, hier wieder als eigene Herleitung: Ein Versorgungsgebiet mit 600 Kunden wird in zwölf Gebiete zu je 50 Kunden geteilt, perfekt ausgeglichen nach Kundenzahl. Bestellt jeder Kunde an einem beliebigen Tag mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit, liegt die erwartete Stoppzahl je Gebiet bei 10, die Standardabweichung aber bei der Wurzel aus 50 mal 0,2 mal 0,8, also rund 2,8. Zwei Drittel der Tage liegen damit zwischen 7 und 13 Stopps, und in einem Gebiet von zwölf ist an fast jedem Tag eines dabei, das deutlich darüber oder darunter liegt. Ein nach Stammdaten perfekt ausgeglichener Zuschnitt ist an keinem einzelnen Tag ausgeglichen.

Eigene Rechnung
Beide Rechnungen in diesem Beitrag sind Herleitungen aus den genannten Modellannahmen, keine Messwerte und keine Branchendurchschnitte. Die Binomialrechnung unterstellt unabhängige Bestellungen; reale Bestellmuster sind korreliert, wodurch die Schwankung eher größer als kleiner ausfällt.

Wann welche Reihenfolge richtig ist

  • Feste Gebiete, Touren darin optimiert – wenn Kundenbeziehung, Gebietskenntnis oder gleiche Besuchszeiten den Ausschlag geben, wenn Fahrer dauerhaft zugeordnet sind, oder wenn die Ausschreibung sie vorschreibt. Dann gehört die Gebietsgrenze als harte Restriktion ins Modell und nicht als Bauchgefühl in die Disposition.
  • Tägliche Neuzuordnung ohne Gebietsgrenze – wenn die Auftragslage stark schwankt, wenn die Fahrzeuge austauschbar sind, wenn Kapazität und Zeitfenster der Engpass sind. Hier kostet jede fixierte Grenze unmittelbar Kilometer und Fahrzeuge.
  • Gebiete als Startlösung, Grenzen als weiche Kosten – der Mittelweg, der in der Praxis am häufigsten trägt: Die Gebietsstruktur bleibt als Regelfall bestehen, ein Grenzübertritt ist erlaubt, kostet aber einen Strafterm. Damit entscheidet die Rechnung, ob sich der Bruch lohnt, und nicht die Hausordnung.
  • Sammel- statt Zustelltouren – bei Abfall, Winterdienst oder Straßenreinigung ist die Basiseinheit der Straßenzug, nicht der Stopp. Was eine Bezirksgrenze dort kostet, haben wir an einer ganzen Stadt durchgerechnet: gleich große Bezirke, kürzere Wege.

Was das für Ihre Disposition heißt

Die nützlichste Frage an einen bestehenden Gebietszuschnitt lautet nicht, ob er gut ist, sondern wann er entstanden ist und auf welcher Datengrundlage. In vielen Betrieben stammt er aus einer Zeit mit anderer Kundenstruktur, anderen Mengen und anderen Fahrzeugen; seitdem ist er gepflegt, aber nicht nachgerechnet worden.

Nachrechnen heißt: dieselben vier Wochen echter Aufträge einmal mit und einmal ohne Gebietsgrenzen gegen dieselben Restriktionen rechnen. Die Differenz ist der Preis der Konstanz – und erst wenn er auf dem Tisch liegt, ist die Entscheidung für feste Gebiete eine Entscheidung und keine Gewohnheit. Wie wir dabei vorgehen, steht unter Tourenplanung und Logistikplanung; die Verfahrensgrundlagen stehen in Tourenoptimierung.

Quellen
  1. 1Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Operations Research, Lehrstuhl Diskrete Optimierung und Logistik: Gebietsplanung – Definition als Zusammenfassung von Basisgebieten zu übergeordneten Gebieten, Anwendungsfelder (Wahlkreise, Vertriebsgebiete, Schulbezirke, Müllabfuhr und Winterdienst) sowie die Planungskriterien Ausgeglichenheit, Kapazitätsbeschränkungen, Kompaktheit, Zusammenhang, Erreichbarkeit und exklusive Zuordnung (2026). Quelle
  2. 2Wren, A. und Holliday, A., Journal of the Operational Research Society 23(3), 333–344: Computer Scheduling of Vehicles from One or More Depots to a Number of Delivery Points – Zuteilung von Fahrzeugen mehrerer Depots unter Last- und Entfernungsgrenzen; die Arbeit, auf die Google OR-Tools bei der Startstrategie SWEEP verweist (1972). Quelle
  3. 3Gillett, B. E. und Miller, L. R., Operations Research 22(2), 340–349: A Heuristic Algorithm for the Vehicle-Dispatch Problem – Einführung des Sweep-Algorithmus: Tourenbildung nach dem Polarkoordinatenwinkel der Standorte unter Last- und Entfernungsgrenzen; linearer Aufwandszuwachs nur bei konstanter mittlerer Stoppzahl je Tour, rund 115 Sekunden für 100 Standorte auf einer IBM 360/67 (1974). Quelle
  4. 4Fisher, M. L. und Jaikumar, R., Networks 11(2), 109–124: A generalized assignment heuristic for vehicle routing – Zuordnung der Kunden zu Fahrzeugen als generalisiertes Zuordnungsproblem mit einer die Zustellkosten annähernden Zielfunktion; findet stets eine zulässige Lösung, sofern eine existiert, und bestimmt über parametrische Variation der Flottengröße die kleinste zulässige Flotte (1981). Quelle
  5. 5Beasley, J. E., Omega 11(4), 403–408: Route first – Cluster second methods for vehicle routing – die umgekehrte Reihenfolge: zuerst eine Gesamtrundreise, dann deren Zerlegung in fahrbare Touren (1983). Quelle
  6. 6Prins, C., Lacomme, P. und Prodhon, C., Transportation Research Part C 40, 179–200: Order-first split-second methods for vehicle routing problems: A review – Überblicksartikel zur Verfahrensfamilie, die eine Reihenfolge bildet und erst anschließend in Touren schneidet (2014). Quelle
  7. 7Groër, C., Golden, B. und Wasil, E., Manufacturing & Service Operations Management 11(4), 630–643: The Consistent Vehicle Routing Problem – Modellierung der Forderung, dass derselbe Fahrer denselben Kunden möglichst zur selben Tageszeit besucht, zusätzlich zu Kapazitäts- und Tourlängenrestriktionen; Anwendung auf simulierte Datensätze mit über 1.000 Kunden und Realdaten mit über 3.700 Kunden (2009). Quelle
  8. 8Kalcsics, J. und Ríos-Mercado, R. Z., in: Location Science, 705–743: Districting Problems – Übersichtskapitel zur Gebietsplanung als eigenständiger Problemklasse der Standort- und Logistikforschung (2019). Quelle
  9. 9Google OR-Tools: Routing Options – Startstrategien des Routing-Solvers, darunter SWEEP (Sweep-Algorithmus nach Wren und Holliday) und SAVINGS (Savings-Heuristik nach Clarke und Wright), sowie die nachgelagerten Metaheuristiken der lokalen Suche (2026). Quelle
  10. 10Laporte, G., Transportation Science 43(4), 408–416: Fifty Years of Vehicle Routing – Rückblick auf fünfzig Jahre Forschung zum Tourenplanungsproblem seit Dantzig und Ramser, mit der Entwicklung exakter Verfahren und Heuristiken (2009). Quelle

Die beiden Rechnungen in diesem Beitrag – die Zahl möglicher Zuordnungen bei 60 Lieferstellen auf fünf Gebiete und die Tagesschwankung der Stoppzahl in einem nach Kundenzahl ausgeglichenen Zuschnitt – sind eigene Herleitungen aus den genannten Modellannahmen. Sie sind ausdrücklich keine Messwerte und keine Branchendurchschnitte. Angaben zu Rechenzeiten stammen aus den zitierten Originalarbeiten und beziehen sich auf die dort verwendete Hardware der 1970er Jahre.

Nächster Schritt

Was kostet Ihr Gebietszuschnitt an Kilometern?

Vier Wochen echter Auftragsdaten genügen. Wir rechnen dieselben Touren einmal mit Ihren heutigen Gebietsgrenzen und einmal ohne – gegen dieselben Restriktionen. Die Differenz ist der Preis der Konstanz, und sie steht danach als Zahl auf dem Tisch.

Finden wir weniger als 5 % Kilometer-Potenzial, halbiert sich der Preis. Bei Umsetzung wird er vollständig angerechnet.

FAQ

Häufige Fragen

Kurzantworten für Disposition, Vertriebssteuerung und alle, die einen Gebietszuschnitt verantworten.

Was ist Gebietsplanung?

Gebietsplanung fasst kleine geographische Einheiten – Straßenzüge, PLZ-Gebiete, Stadtteile, Landkreise – zu übergeordneten Bezirken, Clustern oder Territorien zusammen. Die üblichen Planungskriterien sind Ausgeglichenheit (gleich starke Gebiete nach Menge, Arbeitszeit oder Kaufkraft), Kompaktheit, Zusammenhang, Kapazitätsgrenzen und die exklusive Zuordnung jeder Einheit zu genau einem Gebiet. In der Logistik ist das Ergebnis ein Liefer-, Sammel- oder Servicegebiet; in der Tourenplanung ist es der erste von zwei Schritten: erst das Gebiet, dann die Tour darin.

Was bedeutet cluster first, route second?

Cluster first, route second ist ein zweistufiges Verfahren der Tourenplanung: Zuerst werden die Stopps auf Fahrzeuge oder Gebiete aufgeteilt, danach wird innerhalb jeder Gruppe die Reihenfolge als Rundreise optimiert. Die beiden klassischen Vertreter sind der Sweep-Algorithmus, der die Stopps nach ihrem Polarwinkel um das Depot einsammelt, bis die Fahrzeugkapazität erreicht ist, und die Zuordnung über ein generalisiertes Zuordnungsproblem nach Fisher und Jaikumar. Beide stammen aus den 1970er und 1980er Jahren und sind in heutigen Solvern als Startheuristik weiterhin eingebaut – der Sweep etwa als Startstrategie in Google OR-Tools.

Sind feste Liefergebiete besser als täglich neu gerechnete Touren?

Nicht nach Kilometern, aber häufig nach Gesamtkosten. Ein fest zugeschnittenes Gebiet schließt Tauschzüge über die Grenze hinweg aus, die eine freie Optimierung nutzen würde; die Mehrkilometer sind der Preis der Konstanz. Dafür bekommt man Gebietskenntnis des Fahrers, gleiche Ansprechpartner und annähernd gleiche Besuchszeiten beim Kunden – eine Anforderung, die in der Forschung als Consistent Vehicle Routing Problem eigens modelliert wird. Die ehrliche Entscheidung trifft, wer beides auf den eigenen Daten rechnet: dieselben vier Wochen Aufträge einmal mit und einmal ohne Gebietsgrenze. Genau das ist Teil des Tourenoptimierungs-Checks von eviit.

Warum taugt eine Clusteranalyse nach Luftlinie nicht für Tourengebiete?

Weil sie drei Dinge ignoriert, die über die Fahrbarkeit entscheiden. Erstens das Straßennetz: Zwei Stopps zu beiden Seiten eines Flusses, einer Bahntrasse oder einer Autobahn ohne Querung liegen in der Luftlinie beieinander und in der Fahrzeit weit auseinander. Zweitens die Kapazität: Ein geometrisch schönes Gebiet kann mehr Menge enthalten, als ein Fahrzeug fasst. Drittens die Zeit: Zeitfenster, Lenk- und Ruhezeiten und Standzeiten kommen in einem Abstandsmaß nicht vor. Brauchbare Gebiete entstehen deshalb auf Fahrzeiten im echten Netz und unter denselben Restriktionen, unter denen später auch gefahren wird.

Wie viele Gebiete sind richtig?

Die Zahl der Gebiete ist keine Vorgabe, sondern ein Ergebnis – sie folgt aus Menge, Arbeitszeit und Restriktionen, nicht aus der Zahl der vorhandenen Fahrzeuge. Praktisch rechnet man sie von der Last her: benötigte Fahrzeugstunden pro Tag geteilt durch die verfügbare Schichtzeit abzüglich vorgeschriebener Pausen, danach geprüft gegen Kapazität und Zeitfenster. Das Verfahren von Fisher und Jaikumar lässt sich dafür parametrisch nutzen: Man variiert die Flottengröße und findet die kleinste, mit der die Nachfrage noch zulässig bedient wird.