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Routing- und Optimierungs-API: was Sie wirklich brauchen.

„Wir brauchen eine Routenoptimierungs-API“ meint fast immer zwei verschiedene Dienste, die getrennt eingekauft oder betrieben werden. Dieser Text trennt die Bausteine, erklärt warum die Distanzmatrix den Preis bestimmt, und sagt, wann sich eine eigene Instanz rechnet.

10 MinutenStand September 2026eviit GmbH

Drei technische Größen entscheiden über Architektur und Kosten, bevor die erste Zeile Code entsteht:

so wächst die Distanzmatrix: 100 Stopps ergeben 10.000 Paare, 500 Stopps bereits 250.000
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getrennte Dienste stecken hinter dem Begriff: die Routing-Engine für Wege und Zeiten, der Solver für Zuordnung und Reihenfolge
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Lizenzkosten für den kompletten offenen Stack – OSRM, Valhalla, OR-Tools und VROOM sind quelloffen1

Zwei Dienste, ein Begriff

Wer eine Routenoptimierungs-API sucht, sucht in Wahrheit meist zwei Komponenten, die unterschiedliche Aufgaben lösen und sich unabhängig voneinander austauschen lassen:

  • Die Routing-Engine. Sie kennt das Straßennetz und beantwortet zwei Fragen: Wie komme ich von A nach B (Geometrie, Dauer, Distanz), und wie lang ist jede Verbindung zwischen einer Menge von Punkten (Distanzmatrix). Sie optimiert nichts – sie misst.
  • Der Solver. Er bekommt die Matrix, die Aufträge, die Fahrzeuge und die Restriktionen und entscheidet, welcher Auftrag auf welches Fahrzeug kommt und in welcher Reihenfolge. Er kennt keine Straßen, nur Zahlen.

Diese Trennung ist der wichtigste Punkt der ganzen Architektur. Sie erlaubt es, die Engine zu wechseln, ohne die Optimierung anzufassen – und umgekehrt. Und sie erklärt, warum ein Dienst, der nur Wege berechnet, Ihr Planungsproblem nicht löst, auch wenn er „Route“ im Namen trägt.

Die Distanzmatrix bestimmt den Preis

Der Solver braucht die Fahrzeit zwischen allen Punktpaaren, nicht nur entlang einer geplanten Route. Bei n Stopps sind das n² Werte. Hundert Stopps ergeben zehntausend Paare, fünfhundert Stopps eine Viertelmillion – und das für jeden Planungslauf, oft mehrmals täglich.

Genau hier entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit. Gehostete Kartendienste rechnen typischerweise nach Matrixelementen oder Anfragen ab; die quadratische Zunahme trifft die Rechnung deshalb härter als das lineare Wachstum der Stoppzahl vermuten lässt. Wer regelmäßig große Matrizen braucht, kommt schnell an den Punkt, an dem ein eigener Server günstiger ist als die Abrechnung – zumal Matrizen für dieselben Adressen oft wiederverwendbar sind.

Erste Optimierung, vor jeder Optimierung
Cachen Sie die Matrix. In der Regionalbelieferung ändern sich Adressen selten, Fahrzeiten nur nach Tageszeit. Eine nach Zeitscheiben abgelegte Matrix reduziert die Zahl der Anfragen um Größenordnungen – und beschleunigt jeden Solverlauf, weil er nicht auf Netzwerkantworten wartet.

Der offene Stack

Der Grund, warum sich Eigenbetrieb überhaupt lohnt: Die tragenden Bausteine sind quelloffen und ausgereift. Dieselben Komponenten stecken – teils unverändert – in kommerziellen Planungsprodukten.1

  • OSRM – sehr schnelle Routing-Engine mit exzellenter Matrixleistung. Vorberechnet stark, dadurch zügig im Betrieb und weniger flexibel bei Profiländerungen.
  • Valhalla – flexibler, mit dynamischen Kosten je Anfrage, Zeitabhängigkeit und brauchbarem Lkw-Profil. Etwas langsamer als OSRM, dafür anpassbar ohne Neuberechnung.
  • OR-Tools – der Solver von Google für Vehicle-Routing-Probleme mit Zeitfenstern, Kapazitäten, mehreren Depots und Ressourcenbeschränkungen. Sehr mächtig, entsprechend viel Modellierungsarbeit.
  • VROOM – schlanke Solver-Schicht mit klarer JSON-Schnittstelle, die Routing-Engine und Optimierung zusammenführt. Guter Startpunkt, wenn das Modell nicht exotisch ist.

Alle vier arbeiten auf OpenStreetMap-Daten. Das ist Stärke und Grenze zugleich: Die Abdeckung ist in Deutschland ausgezeichnet, Lkw-relevante Attribute wie Durchfahrtshöhen, Tonnagebeschränkungen und Brückenlasten sind aber lückenhaft erfasst. Für Pkw-Routing ist das unerheblich, für Schwerverkehr nicht.

Wann eine gehostete API die richtige Wahl ist

Der Eigenbetrieb ist kein Selbstzweck. Ein gehosteter Dienst ist die vernünftigere Wahl, wenn Ihre Anforderungen im Standard liegen: Pkw- oder leichtes Nutzfahrzeugrouting, moderate Matrixgrößen, Bedarf an aktueller Verkehrslage, kein Team, das einen Kartendienst betreiben möchte. Verkehrsdaten in Echtzeit sind ein Argument, das der offene Stack nicht ohne Weiteres liefert.

Der Eigenbetrieb wird interessant bei großen oder häufigen Matrizen, bei Datenschutzanforderungen, die gegen die Übermittlung von Kundenadressen sprechen, bei benötigter Reproduzierbarkeit – ein gehosteter Dienst kann seine Ergebnisse jederzeit ändern – und immer dann, wenn das Fahrzeugprofil vom Standard abweicht.

Integrationsmuster, die sich bewährt haben

Optimierungsläufe sind keine Web-Requests. Ein Lauf über einige hundert Stopps dauert Sekunden bis Minuten – das passt in kein Anfrage-Antwort-Zeitfenster, das ein Browser oder ein vorgelagerter Proxy toleriert.

  • Auftragsbasiert statt synchron: Ein POST legt den Lauf an und liefert eine ID, der Status wird abgefragt oder per Webhook gemeldet. Das erspart Timeouts und macht Wiederholungen unkritisch.
  • Idempotenzschlüssel je Lauf: Planungsläufe werden bei Netzwerkfehlern wiederholt. Ohne Schlüssel entstehen doppelte Pläne, und die Disposition sieht zwei Wahrheiten.
  • Rechenzeit als Parameter, nicht als Zufall: Solver liefern nach jeder Sekunde eine bessere Lösung. Ein festes Zeitbudget macht Läufe planbar und Ergebnisse vergleichbar.
  • Die Baseline mitliefern: Jede Antwort sollte enthalten, was der Plan gegenüber dem Ist-Zustand ändert. Ohne diese Differenz kann niemand im Betrieb beurteilen, ob der Vorschlag angenommen werden soll.

Der letzte Punkt ist der, der über die Akzeptanz entscheidet. Eine API, die einen Plan ausgibt, wird in der Disposition misstrauisch beäugt. Eine API, die sagt „diese Zuordnung spart 62 Kilometer und verletzt kein Zeitfenster“, wird benutzt.

Wenn Ihr Wegenetz nicht in der Karte steht

Es gibt eine Klasse von Anwendungen, für die keine gehostete API und kein Standardprofil funktioniert: wenn das Wegenetz gar nicht öffentlich kartiert ist. Werksgelände, Hafenanlagen, Forst- und Feldwege, Bergbau, militärisches Gelände – dort endet OpenStreetMap, und dort beginnt die eigentliche Modellierungsarbeit.

In diesen Fällen ist die Frage nicht, welche API man einkauft, sondern wie das eigene Netz zu einem routingfähigen Graphen wird: Wege mit Tragfähigkeit, Breite, Steigung und Untergrund, fahrzeugspezifische Befahrbarkeit, saisonale Sperrungen. Genau das ist die Aufgabe, für die eviit Custom Routing baut – und die Grundlage unseres eigenen Produkts X-PLORE für Offroad-Navigation.

Entscheidungsfrage
Prüfen Sie zuerst, ob Ihre Fahrzeuge auf öffentlich kartierten Straßen fahren und ob ein Standard-Lkw-Profil Ihr Fahrzeug korrekt beschreibt. Lautet beide Male die Antwort ja, kaufen Sie eine API. Lautet eine Antwort nein, hilft keine API der Welt – dann fehlt Ihnen das Modell, nicht die Schnittstelle.

Die Reihenfolge, die Geld spart

Für Entwicklerteams, die vor dieser Aufgabe stehen, hat sich diese Reihenfolge bewährt – sie beantwortet die teuren Fragen zuerst:

  • Matrixgröße und Laufhäufigkeit abschätzen. Diese beiden Zahlen entscheiden zwischen gehostet und Eigenbetrieb, und zwar bevor irgendein Anbieter verglichen wird.
  • Das Fahrzeugprofil prüfen. Passt Ihr Fahrzeug in ein Standardprofil? Wenn nicht, welche Attribute fehlen – und stehen sie überhaupt in irgendeiner Karte?
  • Restriktionsliste schreiben, bevor ein Solver ausgewählt wird. Sie bestimmt, ob VROOM genügt oder ob es OR-Tools mit eigenem Modell sein muss.
  • Mit einem Prototyp auf echten Daten anfangen, nicht mit einem Anbietervergleich. Ein Wochenende OSRM plus VROOM auf einem Export sagt mehr als drei Angebote.

Wenn Sie an dieser Stelle nicht anfangen wollen, sondern eine Zahl brauchen: Der Tourenoptimierungs-Check beantwortet genau die Frage, die vor jeder Architekturentscheidung steht – wie groß das Potenzial in Ihren Daten überhaupt ist. Die begriffliche Einordnung dazu steht in Tourenoptimierung.

Quellen
  1. 1OSRM, Valhalla, Google OR-Tools, VROOM: Quelloffene Routing-Engines und Optimierungsbibliotheken; sie bilden die Grundlage sowohl eigener Modelle als auch zahlreicher kommerzieller Planungsprodukte. Der Unterschied zwischen Lösungen liegt im Modell, nicht im Solver (2026).
  2. 2OpenStreetMap: Datengrundlage der genannten Engines; in Deutschland flächendeckend, bei lkw-relevanten Attributen wie Durchfahrtshöhe, Tonnage und Brückenlast jedoch uneinheitlich erfasst (2026). Quelle

Dieser Beitrag nennt bewusst keine Preise gehosteter Kartendienste. Die Preismodelle ändern sich häufig und hängen von Vertragsvolumen ab; belastbar ist nur die Struktur – Abrechnung nach Matrixelementen bei quadratisch wachsendem Bedarf.

Nächster Schritt

Bevor Sie die Architektur entscheiden: die Zahl.

Vier Wochen echter Tourdaten genügen für den Digital Twin und die Simulation gegen Ihre Regeln. Danach wissen Sie, ob sich der Aufwand für eigene Optimierung überhaupt lohnt – und welche Restriktionen Ihr Modell zwingend abbilden muss.

Finden wir weniger als 5 % Kilometer-Potenzial, halbiert sich der Preis. Bei Umsetzung wird er vollständig angerechnet.

FAQ

Häufige Fragen

Technische Kurzantworten für Teams, die vor der Build-or-buy-Entscheidung stehen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Routing-API und einer Routenoptimierungs-API?

Es sind zwei getrennte Dienste. Die Routing-Engine kennt das Straßennetz und liefert Wege, Fahrzeiten und die Distanzmatrix zwischen Punkten – sie misst, sie optimiert nicht. Der Solver bekommt diese Matrix samt Aufträgen, Fahrzeugen und Restriktionen und entscheidet Zuordnung und Reihenfolge; er kennt keine Straßen, nur Zahlen. Beide lassen sich unabhängig voneinander austauschen, weshalb die Trennung der wichtigste Punkt jeder Architektur ist.

Welche Open-Source-Bausteine gibt es für Routenoptimierung?

Für das Routing OSRM, sehr schnell mit exzellenter Matrixleistung, und Valhalla, flexibler mit dynamischen Kosten und brauchbarem Lkw-Profil. Für die Optimierung Google OR-Tools, sehr mächtig bei Zeitfenstern, Kapazitäten und mehreren Depots, sowie VROOM als schlanke Solver-Schicht mit klarer JSON-Schnittstelle. Alle vier sind quelloffen und stecken teils unverändert in kommerziellen Planungsprodukten; sie arbeiten auf OpenStreetMap-Daten.

Wann lohnt sich eine eigene Routing-Instanz statt einer gehosteten API?

Sobald die Distanzmatrix groß oder häufig gebraucht wird. Sie wächst quadratisch: Hundert Stopps ergeben zehntausend Paare, fünfhundert Stopps eine Viertelmillion – und das je Planungslauf. Da gehostete Dienste nach Matrixelementen abrechnen, kippt die Rechnung schneller als die Stoppzahl vermuten lässt. Weitere Gründe sind Datenschutzanforderungen, Reproduzierbarkeit und Fahrzeugprofile, die vom Standard abweichen. Für Pkw-Routing mit moderaten Matrizen und Bedarf an Echtzeit-Verkehrsdaten bleibt eine gehostete API die vernünftigere Wahl.

Was tun, wenn das eigene Wegenetz nicht in OpenStreetMap steht?

Dann hilft keine API, weil nicht die Schnittstelle fehlt, sondern das Modell. Werksgelände, Hafenanlagen, Forst- und Feldwege oder Bergbaugelände sind öffentlich nicht kartiert. Die Aufgabe besteht darin, das eigene Netz zu einem routingfähigen Graphen zu machen: Wege mit Tragfähigkeit, Breite, Steigung und Untergrund, fahrzeugspezifische Befahrbarkeit und saisonale Sperrungen. Genau dafür baut eviit Custom Routing.

Wie bindet man einen Optimierungslauf technisch sinnvoll ein?

Auftragsbasiert statt synchron: Ein Lauf über einige hundert Stopps dauert Sekunden bis Minuten und passt in kein Anfrage-Antwort-Zeitfenster. Ein POST legt den Lauf an und liefert eine ID, der Status wird abgefragt oder per Webhook gemeldet. Dazu gehören ein Idempotenzschlüssel je Lauf, damit Wiederholungen keine doppelten Pläne erzeugen, ein festes Rechenzeitbudget für vergleichbare Ergebnisse und die Differenz zum Ist-Zustand in jeder Antwort – ohne sie kann die Disposition den Vorschlag nicht bewerten.