Servicetechniker mit Werkzeugkoffer am Servicefahrzeug
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Außendienst

Routenoptimierung im Außendienst: gleiche Mathematik, andere Regeln.

Ein Servicetechniker ist kein Lieferfahrzeug. Er startet zu Hause statt im Depot, transportiert Qualifikation statt Paletten, und wie lange ein Einsatz dauert, weiß vorher niemand genau. Das Optimierungsverfahren dahinter ist trotzdem dasselbe – nur die Restriktionen sind andere, und die entscheiden über den Nutzen.

10 MinutenStand September 2026eviit GmbH

Der wirtschaftliche Rahmen im Außendienst unterscheidet sich vom Güterverkehr an einer entscheidenden Stelle:

Arbeitszeit
Fahrten zum ersten und vom letzten Kunden sind vergütungspflichtig – Fahrzeit ist im Außendienst direkte Personalkosten1
3
Restriktionen bestimmen den Plan: Qualifikation, Termin und Material im Fahrzeug – Kapazität spielt kaum eine Rolle
1
zusätzlicher Einsatz pro Techniker und Tag verändert die Rechnung stärker als jede Kilometerersparnis
20
Stopps, ab denen auch im Außendienst niemand mehr belegen kann, dass die gewählte Reihenfolge gut ist2

Warum Serviceplanung nicht Lieferplanung ist

Wer im Außendienst plant, kennt die Situation: Am Morgen stehen achtzehn Einsätze auf der Liste, sechs Techniker sind verfügbar, drei Termine sind fest zugesagt, zwei Aufträge kann nur ein bestimmter Kollege übernehmen, und irgendwo dazwischen liegt eine Störung, die heute noch erledigt werden muss. Diese Aufgabe ist mathematisch dasselbe Problem wie die Belieferung von Filialen – aber die Regeln, unter denen gerechnet wird, sind andere.

Vier Unterschiede prägen jede Serviceplanung, und jeder von ihnen macht das Problem eher schwerer als leichter:

  • Kein Depot. Techniker starten und enden meist zu Hause. Statt einer gemeinsamen Quelle gibt es so viele Startpunkte wie Mitarbeiter – in der Fachsprache ein Problem mit mehreren Depots und offenen Touren. Wer das ignoriert und trotzdem vom Standort aus plant, rechnet an der Realität vorbei.
  • Qualifikation statt Kapazität. Nicht jeder darf jeden Auftrag übernehmen. Zertifizierungen, Herstellerfreigaben, Anlagenkenntnis und Sicherheitsunterweisungen wirken wie eine Kapazitätsgrenze, nur binär: passt oder passt nicht. Ein Plan, der diese Zuordnung nicht kennt, produziert Fahrten, die vor Ort abgebrochen werden.
  • Unsichere Einsatzdauer. Eine Palette ist in zwölf Minuten abgeladen. Ob eine Störung in vierzig Minuten oder in drei Stunden behoben ist, steht vorher nicht fest. Planung im Außendienst arbeitet deshalb mit Erwartungswerten und braucht Puffer – oder die Fähigkeit, im Tagesverlauf neu zu rechnen.
  • Material im Fahrzeug. Der Transporter ist ein rollendes Kleinlager. Ob ein Auftrag heute machbar ist, hängt nicht am Platz, sondern daran, ob das richtige Teil an Bord ist. Das ist eine Restriktion, die viele Planungswerkzeuge gar nicht kennen.

Warum Fahrzeit hier teurer ist als im Güterverkehr

Im Transport ist der Kilometer eine Kostengröße aus Kraftstoff, Maut und Verschleiß. Im Außendienst kommt eine Position dazu, die deutlich schwerer wiegt: die bezahlte Arbeitszeit.

Das Bundesarbeitsgericht hat 2020 entschieden, dass bei einem Servicetechniker im Außendienst auch die Fahrt von der Wohnung zum ersten Kunden und vom letzten Kunden zurück vergütungspflichtige Arbeitszeit ist. Das Gericht stellte fest, dass das Fahren zur auswärtigen Arbeitsstelle zu den vertraglichen Hauptleistungspflichten gehört und mit der übrigen Tätigkeit eine Einheit bildet.1 Eine Betriebsvereinbarung, die die ersten zwanzig Minuten davon ausnahm, hielt der Prüfung nicht stand.

Für die Planung heißt das: Jede eingesparte Fahrminute ist unmittelbar eine bezahlte Minute, die entweder entfällt oder für einen Einsatz frei wird. Das verschiebt die Zielfunktion. Im Güterverkehr optimiert man üblicherweise auf Kilometer; im Außendienst ist die ehrlichere Zielgröße die Zahl erledigter Einsätze je Techniker und Tag – Fahrzeit ist dabei nur die Größe, die man dafür verkleinert.

Rechenanker
Rechnen Sie mit Ihrem eigenen internen Stundensatz statt mit einem Kilometersatz: Vierzig Minuten weniger Fahrzeit pro Techniker und Tag sind bei sechs Technikern vier Stunden täglich. Ob daraus ein zusätzlicher Einsatz je Kopf und Tag wird, hängt an Ihrer durchschnittlichen Einsatzdauer – aber die Rechnung ist damit Ihre, nicht die eines Prospekts.

Termine sind die härteste Restriktion

Im Außendienst ist das Zeitfenster keine Vorgabe der Logistik, sondern ein Versprechen an einen Menschen, der dafür zu Hause bleibt oder eine Anlage stilllegt. Ein gerissenes Fenster kostet deshalb nicht Wartezeit an der Rampe, sondern einen zweiten Anfahrtsweg und ein Kundengespräch.

Das macht die Termintreue zur eigentlichen Qualitätsgröße der Planung – und zu dem Punkt, an dem sich manuelle und gerechnete Planung am deutlichsten unterscheiden. Ein Mensch plant Termine nacheinander ein und prüft jeden gegen den bisherigen Plan. Ein Solver bewertet die Zusagen gemeinsam und erkennt Kombinationen, die einzeln betrachtet unauffällig sind und zusammen nicht funktionieren.

Das Prinzip

Dieselben Zusagen, einmal nacheinander geplant und einmal gemeinsam gerechnet.

Die hellen Balken zeigen das zugesagte Zeitfenster, die Punkte den geplanten Ankunftszeitpunkt. In der Baseline liegen zwei Ankünfte außerhalb ihres Fensters – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil sich die Folgen einer frühen Zusage erst später zeigen.

Eine Tour, sieben Zeitfenster
Zeitfenster Ankunft Sektor-Disposition Ankunft optimiert
Stopp A
Stopp B
Stopp C
Stopp D
Stopp E
Stopp F
Stopp G
06:0008:0010:0012:0014:0016:00

Schematische Darstellung einer Tour über die Schicht 06–16 Uhr: 4 von 7 Zeitfenstern verfehlt die Sektor-Disposition, Stopp G liegt hinter Schichtende. Sie zeigt das Prinzip – nicht die Ergebnisse des Simulationsbeispiels.

Schematische Darstellung des Planungsprinzips mit sieben Stopps in einer Schicht von 06 bis 16 Uhr. Sie zeigt den Mechanismus, aus dem Zeitfensterverstöße entstehen, und ist kein Ergebnis eines konkreten Projekts.

Woran sich der Nutzen messen lässt

Anders als in der Logistik ist die Kilometerzahl im Außendienst die falsche Leitgröße. Vier Kennzahlen bilden das Ergebnis besser ab, und sie stehen teilweise im Widerspruch zueinander – deshalb muss vor jeder Optimierung feststehen, welche davon zählt:

  • Einsätze je Techniker und Tag. Die Zahl, die den Umsatz trägt. Sie steigt, wenn Fahrzeit zu Einsatzzeit wird – nicht, wenn schneller gearbeitet wird.
  • Anteil der Fahrzeit an der bezahlten Zeit. Der direkte Kostenhebel, und nach dem Urteil von 2020 vollständig Ihre Kostenposition.
  • Termintreue. Der Anteil der Einsätze im zugesagten Fenster. Ein Plan mit weniger Fahrzeit und schlechterer Termintreue ist keine Optimierung, sondern eine Verlagerung des Problems zum Kunden.
  • Zweitanfahrten. Wie oft muss ein Einsatz wiederholt werden, weil Qualifikation oder Material nicht gepasst haben? Diese Quote misst die Qualität Ihres Modells, nicht die Ihrer Techniker.

Die letzte Kennzahl ist die aufschlussreichste. Zweitanfahrten sind fast immer ein Modellierungsproblem: Eine Regel, die in den Köpfen der Disposition existiert, steht in keinem System – und taucht deshalb in keiner Planung auf. Welche Regeln das typischerweise sind, steht in Restriktionen in der Tourenplanung.

Der Tag ändert sich – die Planung muss mitkommen

Serviceplanung ist selten am Morgen fertig. Störungen kommen dazu, Einsätze dauern länger als gedacht, ein Techniker fällt aus. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Werkzeug, das einmal am Tag einen Plan erzeugt, und einem, das während des Tages neu rechnen kann.

Technisch ist das keine große Hürde: Ein Optimierungslauf für zwanzig bis fünfzig offene Einsätze dauert Sekunden. Die Hürde ist organisatorisch. Ein Plan, der sich stündlich ändert, verunsichert Techniker und Kunden gleichermaßen. Bewährt hat sich deshalb, die bereits zugesagten Termine festzuhalten und nur die noch nicht kommunizierten Einsätze neu zu ordnen – eine Restriktion, die im Modell stehen muss und in Standardwerkzeugen oft fehlt.

Wie Sie anfangen, ohne ein Projekt zu starten

Der Einstieg ist derselbe wie in der Logistik und kostet zunächst nichts außer einem Export: vier Wochen echter Einsatzdaten – Aufträge mit Adressen, Terminfenstern und tatsächlicher Dauer, die gefahrenen Wege, die Technikerliste mit Qualifikationen und Wohnorten. Daraus lässt sich der Ist-Zustand nachbauen und dagegen rechnen.

Das Ergebnis ist keine Softwareempfehlung, sondern eine Zahl: wie viel Fahrzeit in Ihrer aktuellen Zuordnung steckt, die sich unter Einhaltung aller Zusagen und Qualifikationen einsparen ließe. Erst wenn diese Zahl vorliegt, lohnt sich das Gespräch über Werkzeuge – und welcher Ansatz dann trägt, steht in Tourenplanung Software.

Quellen
  1. 1Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 18.03.2020 – 5 AZR 25/19: Bei einem Servicetechniker im Außendienst sind auch die Fahrten von der Wohnung zum ersten und vom letzten Kunden zurück vergütungspflichtige Arbeitszeit (2020). Quelle
  2. 2eviit GmbH: Kombinatorik der Tourenreihenfolge: (n−1)!/2 mögliche Rundreisen ab einem festen Startpunkt; ausgerechnet im Beitrag „Tourenoptimierung“ (2026). Quelle

Dieser Beitrag nennt bewusst keine Branchenkennzahlen zum Fahrzeitanteil im Außendienst. Die im Netz kursierenden Werte stammen durchweg aus Anbieterunterlagen; eine überprüfbare Erhebung dazu ließ sich nicht finden. Die belastbare Größe ist Ihr eigener Stundensatz, angewendet auf Ihre eigenen Fahrzeiten.

Nächster Schritt

Wie viel Fahrzeit steckt in Ihrer Einsatzplanung?

Vier Wochen Ihrer echten Einsatzdaten genügen, damit wir Ihre Disposition nachbauen und dagegen rechnen: Fahrzeit, Einsätze je Techniker und Termintreue im Vergleich – unter Einhaltung aller Qualifikationen und Zusagen.

Finden wir weniger als 5 % Kilometer-Potenzial, halbiert sich der Preis. Bei Umsetzung wird er vollständig angerechnet.

FAQ

Häufige Fragen

Kurzantworten zu den Fragen, die im Außendienst am häufigsten aufkommen.

Worin unterscheidet sich Routenoptimierung im Außendienst von der Logistik?

Das Optimierungsverfahren ist dasselbe, die Restriktionen sind andere. Servicetechniker starten und enden meist zu Hause statt im Depot, sodass es so viele Startpunkte wie Mitarbeiter gibt. Statt Kapazität begrenzt die Qualifikation, wer welchen Auftrag übernehmen darf. Die Einsatzdauer steht vorher nicht fest, und ob ein Auftrag heute machbar ist, hängt am Material im Fahrzeug statt am Platz.

Ist die Fahrzeit von Servicetechnikern Arbeitszeit?

Ja. Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 18. März 2020 (5 AZR 25/19) entschieden, dass bei einem Servicetechniker im Außendienst auch die Fahrt von der Wohnung zum ersten Kunden und vom letzten Kunden zurück vergütungspflichtige Arbeitszeit ist; das Fahren zur auswärtigen Arbeitsstelle gehört zu den vertraglichen Hauptleistungspflichten. Für die Planung bedeutet das, dass jede eingesparte Fahrminute unmittelbar eine bezahlte Minute ist.

Welche Kennzahl misst den Erfolg der Einsatzplanung im Außendienst?

Nicht die Kilometerzahl, sondern die Einsätze je Techniker und Tag. Daneben zählen der Anteil der Fahrzeit an der bezahlten Zeit, die Termintreue und die Quote der Zweitanfahrten. Die letzte ist die aufschlussreichste: Zweitanfahrten wegen fehlender Qualifikation oder fehlenden Materials sind fast immer ein Modellierungsproblem – eine Regel, die in den Köpfen der Disposition existiert, aber in keinem System steht.

Kann man Serviceeinsätze auch während des Tages neu planen?

Technisch ja – ein Optimierungslauf für zwanzig bis fünfzig offene Einsätze dauert Sekunden. Die Hürde ist organisatorisch: Ein Plan, der sich stündlich ändert, verunsichert Techniker und Kunden. Bewährt hat sich, bereits zugesagte Termine festzuhalten und nur die noch nicht kommunizierten Einsätze neu zu ordnen. Diese Unterscheidung muss im Modell stehen und fehlt in Standardwerkzeugen häufig.