Kühlauflieger mit geöffneten Türen an der Rampe in blauer Nacht, Kältenebel über dem Asphalt, der Laderaum durch eine Trennwand in zwei Temperaturzonen geteilt
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Restriktionen

Temperaturgeführter Transport: die Kühlkette plant mit.

Der Markt verkauft Temperaturführung als Ausstattung: Aggregat, Logger, Alarm, lückenloser Nachweis. Für die Disposition ist sie etwas anderes – eine zweite Kapazität neben Gewicht und Volumen, die darüber entscheidet, welche Aufträge überhaupt zusammen auf ein Fahrzeug dürfen. Und eine Grenze, die nicht beim Beladen gerissen wird, sondern zwischen dem achtzehnten und dem zwanzigsten Stopp.

12 MinutenStand November 2026eviit GmbH

Vier Werte aus dem geltenden Recht – sie sind die eigentlichen Eingabedaten jeder Planung mit Temperaturführung:

2 / 4 / 7 °C
Höchsttemperaturen für Hackfleisch, Fleischzubereitungen und sonstiges Fleisch von Huftieren – drei Werte, die sich nicht ineinander schieben lassen1
−18 °C
Temperatur, die tiefgefrorene Lebensmittel nach dem Tiefgefrieren bis zur Abgabe an den Verbraucher an allen Punkten ständig halten müssen2
3 °C
einzige zulässige Abweichung nach oben – und zwar ausdrücklich nur als kurzfristige Schwankung beim Versand und im örtlichen Vertrieb2
1 Jahr
Mindestdauer, für die die Temperaturaufzeichnung aufzubewahren ist; im örtlichen Vertrieb genügt dagegen ein leicht sichtbares Thermometer3

Temperatur ist eine zweite Kapazität, keine Ausstattung

Im klassischen Tourenplanungsproblem hat ein Fahrzeug eine Kapazität. Die Summe der zugeordneten Mengen darf sie nicht überschreiten – eine Zahl, eine Ungleichung. Sobald Temperatur ins Spiel kommt, stimmt dieses Bild nicht mehr. Ein Kühlauflieger hat dann nicht eine Kapazität, sondern mehrere, und welche Menge in welche davon darf, entscheidet nicht die Disposition, sondern das Lebensmittelrecht.

Die Verordnung (EG) Nr. 853/2004 legt in Anhang III für jedes Erzeugnis eigene Höchstwerte fest. Fleisch von als Haustieren gehaltenen Huftieren ist unverzüglich nach der Fleischuntersuchung auf höchstens 7 °C abzukühlen, Nebenprodukte der Schlachtung auf 3 °C, und diese Temperatur ist bei Lagerung und Beförderung zu halten.1 Hackfleisch muss unmittelbar nach der Herstellung auf eine Kerntemperatur von nicht mehr als 2 °C gekühlt sein, Fleischzubereitungen auf nicht mehr als 4 °C – oder beides auf −18 °C gefroren werden.1 Für tiefgefrorene Lebensmittel verlangt die deutsche Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel durchgehend −18 °C oder tiefer, und zwar an allen Punkten des Erzeugnisses bis zur Abgabe an den Verbraucher.2

Entscheidend ist, was diese Werte nicht tun: Sie schachteln sich nicht ineinander. Man könnte meinen, ein Fahrzeug müsse nur den strengsten Wert fahren, dann seien alle anderen automatisch erfüllt. Für die Haltbarkeit stimmt das nicht – gekühltes Fleisch bei −18 °C ist kein gekühltes Fleisch mehr, sondern gefrorenes, und Frischware, die unter den Gefrierpunkt fällt, ist beschädigt. Die Sollwerte sind Intervalle, keine Obergrenzen, und Intervalle zerlegen den Laderaum. Genau an dieser Stelle hört die Analogie zu den anderen Restriktionen auf, die wir im Überblick der Restriktionen in der Tourenplanung beschreiben: Gewicht und Volumen addieren sich, Temperaturzonen trennen.

Drei Kelvin sind kein Budget

Die einzige Toleranz, die das Recht einräumt, ist schmal und ausdrücklich zeitlich begrenzt. Zulässig sind Abweichungen nach oben von höchstens 3 °C, und zwar beim Versand als „kurzfristige Schwankungen“, beim örtlichen Vertrieb und in den Tiefkühlgeräten des Einzelhandels „im Rahmen redlicher Aufbewahrungs- und Vertriebsverfahren“.2 Die Verordnung (EG) Nr. 853/2004 formuliert für gefrorene Fischereierzeugnisse dieselbe Grenze: konstant −18 °C im gesamten Erzeugnis, kurze Schwankungen von nicht mehr als 3 °C nach oben.1

Das Wort „kurzfristig“ ist der ganze Unterschied. Drei Kelvin sind kein Vorrat, den man über eine Tour verteilen darf, sondern eine Toleranz für einzelne Ereignisse. Jede Türöffnung ist so ein Ereignis, und ihre Zahl ist eine Entscheidung der Tourenplanung, nicht des Fahrzeugs.

Eigene Rechnung
Eine Verteiltour mit 22 Stopps, bei der die Hecktür je Stopp sechs Minuten offen steht, hat zusammengenommen 2 Stunden 12 Minuten Türöffnungszeit. Bei einer Tourdauer von neun Stunden sind das 24 Prozent der Zeit, in der der Laderaum gegen die Umgebung offen ist. Dieselbe Menge, auf zwei Touren mit je 11 Stopps verteilt, halbiert die Türöffnungszeit je Fahrzeug, kostet aber ein zweites Fahrzeug. Die Rechnung ist eine reine Herleitung aus Stoppzahl und Standzeit – sie enthält keinen Messwert für den Wärmeeintrag und ist kein Branchenwert, sondern zeigt nur, dass die Belastung der Kühlkette proportional zur Stoppzahl wächst, während die Transportkosten mit jedem zusätzlichen Fahrzeug springen.

Praktisch heißt das: Die Reihenfolge innerhalb einer Tour ist bei temperaturgeführter Ware keine reine Kilometerfrage mehr. Der Stopp mit der empfindlichsten Ware gehört nach vorn, der mit der längsten Standzeit möglichst ans Ende, und jede Verspätung früh in der Tour wirkt auf alle folgenden Stopps. Wie sich Verspätungen entlang einer Tour fortpflanzen, haben wir im Beitrag zu unsicheren Fahrzeiten an einem eigenen Beispiel durchgerechnet.

Mehrkammer: ein Fahrzeug, mehrere Kapazitäten

Die technische Antwort auf nicht schachtelbare Sollwerte ist das Mehrkammerfahrzeug: ein Laderaum, der durch Trennwände in Abteile mit eigenen Solltemperaturen zerfällt. In der Optimierungsforschung heißt dieser Fall Multi-Compartment Vehicle Routing Problem, kurz MCVRP. Er ist keine Randnotiz, sondern eine eigene Problemklasse mit eigener Literatur – Fahrzeuge mit mehreren Abteilen erlauben die gemeinsame Auslieferung von Gütern mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sonst getrennt gefahren werden müssten, und erweitern damit den Spielraum bei Routenwahl und Auftragszuordnung.5

Modellierungsrelevant ist vor allem eine Unterscheidung:

  • Feste Kammern. Die Aufteilung des Laderaums steht vorher fest. Dann ist das Problem noch handhabbar: Jede Kammer ist eine eigene Kapazitätsrestriktion mit bekannter Größe, und die Aufgabe bleibt eine Zuordnung von Aufträgen zu Kammern und Fahrzeugen.
  • Flexible Trennwände. Die Kammergröße ist selbst Entscheidungsvariable. Damit hängt die Kapazität jeder Zone von der Zuordnung ab, und die Zuordnung von der Kapazität. Das ist der Fall, der in der Lebensmitteldistribution real auftritt – und der, der ein Tabellenkalkulationsmodell endgültig überfordert.
  • Be- und Entladekosten. Ein Modell, das nur Kilometer zählt, übersieht die Hälfte der Wirkung. Die Zahl der Entladevorgänge beim Empfänger und die Zahl der anzufahrenden Tore am Lager hängen direkt daran, wie viele Sortimente ein Fahrzeug mitführt.6

Welche Fahrzeuge mit welcher Kammeraufteilung überhaupt beschafft werden sollten, ist seinerseits ein eigenes Optimierungsproblem und nicht aus dem Bauch zu entscheiden – Ostermeier und Hübner behandeln die Fahrzeugauswahl für ein MCVRP als eigene Fragestellung.7 Für die Praxis bedeutet das: Wer eine Flotte mit Mehrkammertechnik plant, sollte die Kammeraufteilung an den eigenen Auftragsdaten rechnen, bevor er sie bestellt.

Wo die Ersparnis liegt – und wo sie zurückgegeben wird

Das Verkaufsargument für Mehrkammerfahrzeuge ist schnell erzählt: Ein Markt, der Tiefkühl-, Frische- und Trockenware bestellt, bekommt eine Anlieferung statt drei. Weniger Stopps, weniger Entladevorgänge, weniger Kilometer.

Die genauere Untersuchung dieses Falls in der Lebensmitteldistribution zeigt, dass die Rechnung eine zweite Seite hat. Weil ein Fahrzeug mit mehreren Sortimenten am Zentrallager mehrere Versandtore anfahren muss, um die Abteile zu beladen, steigt dort der Aufwand genau dann, wenn er auf der Tour sinkt. Die Zahl der Sortimente je Fahrzeug bestimmt damit beide Seiten gleichzeitig – Transport- und Entladekosten auf der Strecke, Toranfahrten am Lager.6 Ein Optimierungsmodell, das nur die Tour sieht, optimiert hier zuverlässig in die falsche Richtung.

Das ist derselbe Mechanismus, der auch bei Rampen und Zeitfenstern greift: Zwei Bereiche optimieren nebeneinander, und keiner kennt die Zielfunktion des anderen. Wir haben ihn für die Rampe in Zeitfenstermanagement und Tourenplanung und für den Hof in Yard Management beschrieben; bei Mehrtemperaturware kommt die Zuordnung zu Toren und Zonen als dritte Ebene hinzu.

Verderblichkeit gehört in die Zielfunktion, nicht nur in die Schranke

Es gibt eine zweite, grundsätzlichere Sicht auf das Thema. Bislang war Temperatur hier eine Nebenbedingung: Halte den Sollwert, sonst ist die Lösung unzulässig. Für verderbliche Ware lässt sich dasselbe als Qualitätsgröße formulieren, die über die Tour abnimmt – dann ist nicht mehr nur die Frage, ob eine Tour zulässig ist, sondern wie viel Restqualität am Ende beim Kunden ankommt. Amorim und Almada-Lobo untersuchen diesen Zugang als mehrkriterielles Problem und zeigen, dass Verteilkosten und Frische am Ziel gegeneinanderstehen.8

Für die Disposition ist das kein akademischer Punkt. Er beantwortet die Frage, warum zwei Touren mit identischer Kilometerzahl unterschiedlich gut sein können: Diejenige, die die empfindliche Ware zuerst abgibt, liefert mehr Haltbarkeit aus – und Haltbarkeit ist bei Frischware ein unmittelbarer Verkaufswert. Welche Verfahren solche Zielfunktionen verarbeiten können, haben wir im Vergleich der Verfahren der Tourenoptimierung zusammengestellt.

Wie Temperaturzonen im Optimierer abgebildet werden

Technisch ist der Einstieg unspektakulärer, als die Problemklasse vermuten lässt. Gängige Solver führen Kapazitäten nicht als einzelne Zahl, sondern als sogenannte Dimensionen – Größen, die sich entlang einer Tour aufsummieren und eine Obergrenze haben. Google OR-Tools legt sie mit AddDimension an; mit AddDimensionWithVehicleCapacity bekommt jede Dimension je Fahrzeug eine eigene Obergrenze, während AddDimension für alle Fahrzeuge denselben Wert annimmt.9

  • Eine Dimension je Temperaturzone. Tiefkühl, Frische, Trocken werden drei Dimensionen. Ein Fahrzeug ohne Tiefkühlabteil trägt in dieser Dimension die Kapazität null – entsprechende Aufträge werden ihm gar nicht erst zugeordnet, ohne dass man eine Sonderregel schreiben müsste.
  • Zeit als weitere Dimension. Standzeiten, Zeitfenster und Lenk- und Ruhezeiten laufen parallel mit; der Slack-Parameter derselben Mechanik bildet Wartezeiten ab.9 Erst damit ist die Türöffnungszeit überhaupt Teil des Modells und nicht ein Zuschlag im Nachhinein. Wie die Pausenlage dabei zur Entscheidungsvariablen wird, steht im Beitrag zu Lenk- und Ruhezeiten.
  • Die Grenze der Standardmodellierung. Sobald die Trennwände beweglich sind, reicht die feste Obergrenze je Dimension nicht mehr. Dann braucht es ein Modell, das Aufteilung und Zuordnung gemeinsam löst – genau der Fall, für den die MCVRP-Literatur eigene Verfahren entwickelt hat.45

Dass ein Optimierer solche Dimensionen kennt, heißt nicht, dass eine Standardsoftware sie in Ihrem Fall anbietet. Die Lücke zwischen „der Solver kann das“ und „das Produkt bildet es ab“ ist bei Mehrtemperaturware besonders breit – sie ist einer der Gründe, warum wir Routing und Planung als Custom Routing bauen statt zu konfigurieren.

Was vor der Softwareauswahl zu klären ist

Die Fragen, an denen sich in unseren Projekten entscheidet, ob ein Standardprodukt trägt:

  • Wie viele Sollwerte fahren Sie wirklich? Nicht wie viele Sortimente Sie führen, sondern wie viele verschiedene Temperaturintervalle gleichzeitig unterwegs sind. Zwei sind ein Produktfeature, vier sind ein Modellierungsproblem.
  • Sind die Trennwände fest oder beweglich? Diese eine Frage entscheidet, ob Ihr Fall eine Kapazitätsrestriktion mehr ist oder eine andere Problemklasse.
  • Wie lange steht die Tür je Stopp offen? Steht die Standzeit überhaupt in Ihren Daten – und steht sie je Stopp oder als Pauschale? Eine Pauschale macht die Temperaturrechnung wertlos.
  • Was kostet eine zusätzliche Toranfahrt am Lager? Ohne diese Zahl lässt sich der Vorteil des Mehrkammerfahrzeugs nicht ausrechnen, sondern nur behaupten.
  • Gilt die Temperatur als harte Grenze oder als Qualitätsgröße? Beides ist vertretbar, aber es sind zwei verschiedene Zielfunktionen – und die Entscheidung gehört zur Disposition, nicht zum Software-Anbieter.

Dieselbe Prüfreihenfolge nutzen wir im Vergleich der Software-Ansätze, und die Antworten darauf stehen nicht im Prospekt, sondern in vier Wochen Ihrer eigenen Auftragsdaten – wie bei jeder anderen Restriktion auch, die wir in der Tourenplanung rechnen. Den groben Rahmen dazu beschreibt unsere Einführung in die Tourenoptimierung.

Was in diesem Beitrag bewusst fehlt

Zu temperaturgeführten Transporten kursieren viele griffige Zahlen: Anteile verdorbener Ware, durchschnittliche Temperaturabweichungen, Einsparungen durch Mehrkammertechnik in Prozent. Wir führen keine davon an. Sie stammen in aller Regel aus Anbieterunterlagen ohne nachvollziehbare Erhebung, und eine Zahl ohne Herkunft ist in einer Entscheidungsgrundlage schlimmer als keine Zahl. Was hier steht, steht entweder in einer Rechtsnorm, in einer begutachteten Arbeit oder in einer Rechnung, die als Herleitung gekennzeichnet ist.

Quellen
  1. 1Verordnung (EG) Nr. 853/2004, konsolidierte Fassung vom 07.05.2026, Anhang III: Spezifische Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs – Abschnitt I Kapitel VII Nr. 1a (Nebenprodukte der Schlachtung 3 °C, sonstiges Fleisch 7 °C, Halten dieser Temperatur bei Lagerung und Beförderung), Abschnitt V Kapitel III (Hackfleisch Kerntemperatur höchstens 2 °C, Fleischzubereitungen höchstens 4 °C, alternativ gefroren bei −18 °C; verwendetes Fleisch höchstens 4 °C bei Geflügel, 3 °C bei Nebenprodukten, 7 °C bei anderem Fleisch), Abschnitt VIII (gefrorene Fischereierzeugnisse konstant −18 °C, kurze Schwankungen von nicht mehr als 3 °C nach oben) (2026). Quelle
  2. 2Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel (TLMV), § 1 Abs. 1, § 2 Abs. 4 und 5, § 2a: Tiefgefrorene Lebensmittel müssen nach thermischer Stabilisierung an allen Punkten mindestens −18 °C erreichen und diese Temperatur bis zur Abgabe an den Verbraucher ständig halten; zulässig sind nach oben nur kurzfristige Schwankungen von höchstens 3 °C beim Versand sowie Abweichungen von höchstens 3 °C beim örtlichen Vertrieb und in Tiefkühlgeräten des Einzelhandels. § 2 Abs. 5 definiert den örtlichen Vertrieb als lokale Auslieferung an Einzelhandel, Gemeinschaftsverpflegung und Privathaushalte (2017). Quelle
  3. 3Verordnung (EG) Nr. 37/2005 der Kommission, Art. 2 und 3: Überwachung der Temperaturen von tief gefrorenen Lebensmitteln in Beförderungsmitteln sowie Einlagerungs- und Lagereinrichtungen – Aufzeichnungsgeräte zur häufigen und regelmäßigen Überwachung der Lufttemperatur, seit 1. Januar 2006 nach den Normen EN 12830, EN 13485 und EN 13486, Aufbewahrung der datierten Aufzeichnung mindestens ein Jahr; abweichend genügt bei Lagerung in Einzelhandelsverkaufsmöbeln und während des örtlichen Vertriebs ein leicht sichtbares Thermometer (2005). Quelle
  4. 4Derigs, U., Gottlieb, J., Kalkoff, J., Piesche, M., Rothlauf, F. und Vogel, U., OR Spectrum 33(4), 885–914: Vehicle routing with compartments: applications, modelling and heuristics – Anwendungsfelder, Modellierung und Heuristiken für Tourenplanung mit Laderaumabteilen (2011). Quelle
  5. 5Ostermeier, M., Henke, T., Hübner, A. und Wäscher, G., European Journal of Operational Research 292(3), 799–817: Multi-compartment vehicle routing problems: State-of-the-art, modeling framework and future directions – erste umfassende Übersichtsarbeit zur Problemklasse, mit einer Typologie der Varianten; Fahrzeuge mit mehreren Abteilen erlauben die gemeinsame Auslieferung oder Sammlung von Gütern mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sonst getrennt befördert werden müssten (2021). Quelle
  6. 6Hübner, A. und Ostermeier, M., Transportation Science 53(1), 282–300: A Multi-Compartment Vehicle Routing Problem with Loading and Unloading Costs – Lebensmitteldistribution vom Zentrallager zu Filialen mit temperaturspezifischen Sortimenten; die gemeinsame Auslieferung senkt Transport- und Entladekosten, erhöht aber die Zahl der am Lager anzufahrenden Versandtore, sodass die Zahl der Sortimente je Fahrzeug beide Kostenseiten zugleich bestimmt (2019). Quelle
  7. 7Ostermeier, M. und Hübner, A., European Journal of Operational Research 269(2), 682–694: Vehicle selection for a multi-compartment vehicle routing problem – die Auswahl von Fahrzeugtyp und Kammeraufteilung als eigenes Optimierungsproblem vor der Tourenplanung (2018). Quelle
  8. 8Amorim, P. und Almada-Lobo, B., Computers & Industrial Engineering 67, 223–233: The impact of food perishability issues in the vehicle routing problem – Verderblichkeit als eigene Zielgröße statt als bloße Nebenbedingung; Verteilkosten und Frischezustand beim Empfänger stehen in einem mehrkriteriellen Zielkonflikt (2014). Quelle
  9. 9Google OR-Tools: Dimensions – Modellierung aufsummierter Größen entlang einer Tour; AddDimension setzt für alle Fahrzeuge dieselbe Kapazität, AddDimensionWithVehicleCapacity eine eigene Kapazität je Fahrzeug, der Slack-Parameter bildet Wartezeiten etwa bei Zeitfenstern ab (2026). Quelle

Die Rechnung zur Türöffnungszeit in diesem Beitrag ist eine eigene Herleitung aus Stoppzahl und angenommener Standzeit. Sie ist weder ein Messwert noch ein Branchendurchschnitt und enthält keine Aussage über den tatsächlichen Wärmeeintrag, der von Fahrzeug, Beladung, Außentemperatur und Aggregatleistung abhängt. Durchschnittswerte für Temperaturabweichungen, Verderbquoten oder prozentuale Einsparungen durch Mehrkammertechnik sind bewusst nicht angegeben, weil uns dafür keine überprüfbare Primärquelle vorliegt.

Nächster Schritt

Wie viele Fahrzeuge kostet Ihre Temperaturführung wirklich?

Vier Wochen echter Auftragsdaten genügen. Wir rechnen Ihre Touren mit Ihren Sortimenten, Ihren Sollwerten und Ihren Standzeiten – einmal mit getrennten Fahrzeugen je Temperaturzone und einmal mit Mehrkammerbetrieb, inklusive der Toranfahrten am Lager. Danach steht die Differenz als Zahl auf dem Tisch.

Finden wir weniger als 5 % Kilometer-Potenzial, halbiert sich der Preis. Bei Umsetzung wird er vollständig angerechnet.

FAQ

Häufige Fragen

Kurzantworten für Disposition, Fuhrparkleitung und alle, die temperaturgeführte Touren verantworten.

Was ist ein temperaturgeführter Transport?

Ein temperaturgeführter Transport ist eine Beförderung, bei der die Ware von der Übernahme bis zur Übergabe in einem vorgeschriebenen Temperaturbereich gehalten wird. Welcher Bereich das ist, gibt nicht der Spediteur vor, sondern das Lebensmittelrecht: Die Verordnung (EG) Nr. 853/2004 verlangt in Anhang III für Hackfleisch eine Kerntemperatur von höchstens 2 °C, für Fleischzubereitungen höchstens 4 °C, für Nebenprodukte der Schlachtung 3 °C und für sonstiges Fleisch von Huftieren 7 °C; tiefgefrorene Lebensmittel müssen nach § 2 Absatz 4 der deutschen Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel an allen Punkten ständig bei minus 18 °C oder tiefer liegen. Planerisch ist ein temperaturgeführter Transport deshalb kein Ausstattungsmerkmal des Fahrzeugs, sondern eine zusätzliche Restriktion, die festlegt, welche Aufträge überhaupt gemeinsam auf ein Fahrzeug dürfen.

Wie viel Temperaturabweichung ist beim Transport erlaubt?

Für tiefgefrorene Lebensmittel sind nach § 2 Absatz 4 der Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel kurzfristige Schwankungen von höchstens 3 °C nach oben zulässig – beim Versand ebenso wie beim örtlichen Vertrieb und in den Tiefkühlgeräten des Einzelhandels. Für gefrorene Fischereierzeugnisse nennt die Verordnung (EG) Nr. 853/2004 denselben Wert: konstant minus 18 °C im gesamten Erzeugnis, kurze Schwankungen von nicht mehr als 3 °C nach oben. Entscheidend für die Planung ist das Wort kurzfristig: Die drei Kelvin sind kein Budget, das man über eine Tour hinweg verteilen darf, sondern eine Toleranz für einzelne Ereignisse wie eine Türöffnung. Eine Tour, die rechnerisch erst am letzten Stopp an diese Grenze stößt, hat keine Reserve mehr für den Stau davor.

Was ist ein Mehrkammerfahrzeug und wann lohnt es sich?

Ein Mehrkammerfahrzeug trennt seinen Laderaum in mehrere Abteile mit eigenen Solltemperaturen, bei flexiblen Trennwänden zusätzlich mit frei wählbarer Größe. Damit kann ein Fahrzeug Tiefkühl-, Frische- und Trockenware in einer Tour ausliefern, statt dafür mehrere Fahrzeuge zu schicken. In der Optimierung heißt dieser Fall Multi-Compartment Vehicle Routing Problem: Die Kapazitätsrestriktion des klassischen Tourenplanungsproblems wird zu mehreren Restriktionen, und die Aufteilung des Laderaums ist selbst eine Entscheidungsvariable. Der Nutzen liegt in weniger Stopps und weniger Entladevorgängen beim Empfänger. Hübner und Ostermeier zeigen für die Lebensmitteldistribution allerdings, dass dieser Vorteil am Lager teilweise zurückgegeben wird, weil ein Fahrzeug mit mehreren Sortimenten auch mehrere Versandtore anfahren muss – die Rechnung gehört deshalb über beide Seiten geführt.

Warum reicht ein Temperaturlogger nicht als Planung?

Weil ein Logger misst, was bereits passiert ist. Die Verordnung (EG) Nr. 37/2005 verlangt in Artikel 2 Aufzeichnungsgeräte nach den Normen EN 12830, EN 13485 und EN 13486 und die Aufbewahrung der Aufzeichnung für mindestens ein Jahr – das ist eine Nachweispflicht, keine Entscheidungshilfe. Bemerkenswert ist die Ausnahme in Artikel 3: Gerade im örtlichen Vertrieb, also bei der lokalen Auslieferung mit vielen Stopps und vielen Türöffnungen, genügt ein leicht sichtbares Thermometer. Die Aufzeichnungspflicht wird also dort schwächer, wo die Belastung der Kühlkette am größten ist. Wer die Kühlkette halten will, muss sie in der Reihenfolge und Dauer der Tour planen, nicht hinterher belegen.

Wie bildet man Temperaturzonen in einem Optimierer ab?

Über mehrere Kapazitätsdimensionen statt einer. In Google OR-Tools wird jede Zone als eigene Dimension angelegt; mit AddDimensionWithVehicleCapacity bekommt jede Dimension je Fahrzeug eine eigene Obergrenze, sodass ein Fahrzeug ohne Tiefkühlabteil für dieses Sortiment die Kapazität null trägt und entsprechende Aufträge gar nicht erst zugeordnet bekommt. Zeitliche Grenzen – Standzeit, Zeitfenster, Lenk- und Ruhezeiten – laufen als weitere Dimension parallel mit. Bei flexiblen Trennwänden reicht das nicht mehr, weil die Kammergröße selbst variabel ist; dann braucht es ein Modell, das Zuordnung und Aufteilung gemeinsam löst. eviit baut solche Modelle auf den echten Aufträgen, Fahrzeugen und Sortimenten eines Kunden.