
Tourenplanung als SaaS: wann die Miete reicht und wann sie kippt.
SaaS ändert an der Mathematik der Tourenplanung nichts. Es ändert, wer den Betrieb trägt, wie der Preis mit Ihrem Wachstum skaliert und wo Ihre Daten liegen. Genau daran – nicht am Funktionsumfang – entscheidet sich, ob ein Mietmodell für Ihre Disposition trägt.
Der Markt ist erstaunlich preisintransparent. Was sich öffentlich belegen lässt, sind diese Anker:
Was SaaS in der Tourenplanung tatsächlich ändert
Der Solver ist derselbe. Ob eine Optimierung in einem Rechenzentrum des Anbieters oder auf Ihrem Server läuft, ändert nichts an den Verfahren – es sind in beiden Fällen Konstruktionsheuristiken plus lokale Suche. Was SaaS ändert, sind vier andere Dinge, und die sind kaufmännisch bedeutender als jedes Feature:
- Betrieb und Updates wandern zum Anbieter. Kein Server, keine Kartenaktualisierung, keine Versionspflege. Für kleine IT-Abteilungen ist das der Hauptgrund und ein guter.
- Der Preis wird laufend statt einmalig. Aus einem Projektbudget wird eine Betriebskostenposition, die nicht endet – auch nicht, wenn das Potenzial längst gehoben ist.
- Die Einführung wird schneller und die Entscheidung reversibel. Wochen statt Quartale, kündbar. Das ist ein echter Wert, wenn Sie noch nicht wissen, was Optimierung bei Ihnen bringt.
- Ihre Auftrags- und Kundendaten verlassen das Haus. Adressen, Liefermengen, Zeitfenster, Fahrerpositionen. Das ist bei europäischen Anbietern eine Vertragsfrage und bei US-Anbietern eine Frage der Auftragsverarbeitung, die Ihre Rechtsabteilung beantworten muss, nicht Ihre Disposition.
Die zwei Preismodelle – und was sie über den Anbieter sagen
Wo überhaupt Preise veröffentlicht werden, folgen sie einem von zwei Mustern. Beide sind fair, aber sie belasten unterschiedliche Betriebe.
- Je Fahrzeug oder Fahrer und Monat. Ein verbreiteter internationaler Anbieter listet 39 $ und 49 $ je Fahrer und Monat, bei Jahreszahlung 35,10 $ und 44,10 $; die größte Stufe ist „auf Anfrage“.1 Dieses Modell ist berechenbar – und es bestraft Flottenwachstum linear.
- Je Auftrag. Ein anderer Anbieter beginnt bei null Kosten bis 100 Aufträge im Monat, dann 150 $ Grundpreis bis 1.000 Aufträge, darüber gestaffelt zwischen 15 und 3 Cent je Auftrag.2 Das Modell ist einstiegsfreundlich und wird bei Auftragsspitzen teuer.
Auffällig ist, was fehlt. Auf der ersten Suchergebnisseite zum Begriff nennt kein Anbieter einen Preis; die etablierten Häuser im deutschsprachigen Raum arbeiten ausschließlich mit Angebot und Demo.3 Praktische Folge: Sie können keinen Marktpreis recherchieren, sondern nur Angebote vergleichen – und dafür brauchen Sie vorher eine eigene Zahl, gegen die Sie verhandeln.
Wann SaaS die richtige Antwort ist
Für einen großen Teil der Betriebe ist ein Mietmodell schlicht die beste Wahl, und wer hier eine Eigenentwicklung beauftragt, zahlt für etwas, das es fertig gibt. Die Bedingungen dafür sind klar benennbar:
- Ein Depot oder wenige, und ein Fuhrpark, der sich nach Restriktion – nicht nach Fabrikat – in zwei oder drei Typen einteilen lässt.
- Zeitfenster und Kapazitäten, die sich als Zahl ausdrücken lassen: Gewicht, Volumen, Zeit von–bis.
- Öffentliches Straßennetz. Ihre Ziele liegen an kartierten Adressen, nicht auf Werksgelände, Feldwegen oder Forstpisten.
- Wenige Integrationen: Auftragsimport, Fahrer-App, gegebenenfalls Rückmeldung ins ERP.
- Der Bedarf ist heute unklar. Miete ist die günstigste Art, eine Entscheidung offen zu halten.
Welche vier Ansätze im Markt um dieselbe Aufgabe konkurrieren und wie SaaS sich darin einordnet, steht in Tourenplanung Software: die vier Ansätze.
Die fünf Punkte, an denen ein Mietmodell kippt
Ein SaaS-Produkt plant in dem Modell, das sein Anbieter für alle Kunden gebaut hat. Das ist seine Stärke und gleichzeitig die Bruchstelle. Fünf Muster, an denen es in der Praxis reißt:
- Eine planungsbestimmende Restriktion existiert im Produkt nicht. Mehrere Temperaturzonen im selben Fahrzeug, Tragfähigkeit von Brücken und Wegen, Rampenfenster je Kunde, Fahrerqualifikationen, Kampagnenbildung. Die vollständige Liste steht in Restriktionen in der Tourenplanung. Fehlt eine davon, entstehen Workarounds – und die kosten mehr als jede Lizenz.
- Ihr Wegenetz ist nicht kartiert. Werksgelände, Forst, Baustellen, Landwirtschaft, Offroad. Ein Cloud-Router kennt nur Straßen. Was dann zu tun ist, behandelt Custom Routing.
- Die Integration ist tiefer als der Auftragsimport. Wenn die Planung in Ihrem Kundenportal, Ihrer eigenen Fahrer-App oder Ihrer Produktionssteuerung erscheinen soll, brauchen Sie eine Komponente, kein Programm mit eigener Oberfläche. Die Bausteine dafür beschreibt Routing- und Optimierungs-API.
- Datenhoheit ist eine Anforderung, keine Präferenz. Wenn Auftrags- und Kundendaten das Haus nicht verlassen dürfen oder Verarbeitung in Deutschland vertraglich zugesichert sein muss, fällt ein Teil des Marktes automatisch aus der Auswahl.
- Sie brauchen erst eine Zahl, nicht ein Werkzeug. Wenn die eigentliche Frage lautet „wie groß ist das Potenzial überhaupt“, ist eine Analyse billiger und schneller als jede Einführung – und sie bleibt nützlich, egal wie die Entscheidung danach ausfällt.
Die Fünf-Jahres-Rechnung, offengelegt
Miete und Projekt lassen sich nur über einen Zeitraum vergleichen. Die folgende Rechnung nutzt ausschließlich veröffentlichte Listenpreise, damit sie nachprüfbar bleibt – sie ist ein Größenordnungsanker, kein Angebot, und sie enthält bewusst keine verhandelten Rabatte.
- Ausgangslage: 25 Fahrzeuge, ein Depot, Standard-Zeitfenster.
- SaaS je Fahrer, Jahreszahlung: 25 × 44,10 $ = 1.102,50 $ im Monat, 13.230 $ im Jahr, 66.150 $ in fünf Jahren – ohne Einführung, Schnittstellen und Schulung.
- Dazu die Positionen, die in keiner Preisliste stehen: Anbindung an das ERP, Datenaufbereitung, Schulung der Disposition und der laufende Aufwand für Sonderfälle, die das Produkt nicht abbildet.
- Eigenes Modell: Projektaufwand einmalig, kein Nutzerpreis, dafür Betrieb und Weiterentwicklung in eigener Verantwortung. Der Einstieg bei eviit ist der Tourenoptimierungs-Check ab 9.900 € netto, der bei einer Umsetzung angerechnet wird.
Die ehrliche Schlussfolgerung: Für 25 Standardfahrzeuge ohne besondere Restriktionen ist SaaS in dieser Rechnung schwer zu schlagen. Die Rechnung dreht sich an zwei Stellen – wenn die Flotte deutlich größer wird, weil der Mietpreis linear mitläuft und der Projektaufwand nicht, und wenn eine fehlende Restriktion Workarounds erzwingt, weil die dann in Personalstunden anfallen und in keiner Lizenzrechnung auftauchen.
SaaS und eigenes Modell sind keine Alternativen, sondern Schichten
Die Debatte wird meist als Entweder-oder geführt, und das ist der eigentliche Denkfehler. Tourenplanung besteht aus mindestens drei trennbaren Diensten: einer Routing-Engine, die Fahrzeiten und Wege liefert, einem Solver, der Touren bildet, und einer Oberfläche, in der Disposition arbeitet. Jede dieser Schichten kann gemietet, selbst betrieben oder gebaut werden.
In der Praxis bewährt sich häufig eine Aufteilung: Das Standardgeschäft läuft im Mietprodukt, und der Teil, der dort nicht abbildbar ist, wird daneben gerechnet und als Vorschlag zurückgegeben. Das hält die Einführung klein, ersetzt kein System und lässt sich zurücknehmen. Genau so arbeitet eviit in der Tourenplanung und Logistikplanung: als Ergänzung neben dem Bestand, nicht als Ablösung.
Der Test vor der Unterschrift
Drei Dinge, die eine SaaS-Entscheidung tragfähig machen – unabhängig vom Anbieter:
- Lassen Sie nicht mit Musterdaten demonstrieren, sondern mit drei echten Tagen aus Ihrem Betrieb, darunter der schwierigste. Wenn die Demo diesen Tag nicht plant, plant sie Ihren Alltag nicht.
- Klären Sie den Ausstieg vor dem Einstieg: Kommen Ihre Aufträge, Stammdaten und gefahrenen Touren in einem verarbeitbaren Format zurück? Gibt es eine API oder nur eine Oberfläche? Wie lang ist die Mindestlaufzeit?
- Verlangen Sie die Restriktionsliste schriftlich – nicht die Feature-Liste, sondern die Aufzählung der Regeln, die das Produkt garantiert einhält. Alles, was dort fehlt, wird später von Menschen nachgezogen.
Und der Schritt, der in jeder Variante nützlich bleibt: erst die eigenen Daten nachrechnen. Danach verhandeln Sie mit einer Zahl statt mit einem Gefühl – und wissen, welche Restriktion im Vertrag stehen muss. Wo die Grenze der bisherigen Tabellenplanung liegt, ist in Tourenplanung mit Excel ausgerechnet.
- 1OptimoRoute: Veröffentlichte Preisliste: 39 $ (Lite) und 49 $ (Pro) je Fahrer und Monat, bei Jahreszahlung 35,10 $ und 44,10 $; höchste Stufe „Contact Sales“ (2026). Quelle
- 2Routific: Veröffentlichte Preisliste: bis 100 Aufträge im Monat kostenlos, 150 $ Grundpreis bis 1.000 Aufträge, darüber 0,15 $ bis 0,03 $ je Auftrag; ab 50.000 Aufträgen auf Anfrage (2026). Quelle
- 3eviit GmbH: Eigene Erhebung: Auswertung der organischen Ergebnisse der ersten Suchergebnisseite zur Suchanfrage „tourenplanung saas“ auf google.com, deutschsprachig; kein Anbieter nennt einen Preis (September 2026).
- 4eviit GmbH: Simulationsbeispiel Regionallogistik auf synthetischen Daten: 7.842 km auf 37 Touren im Ist, 6.830 km auf 36 Touren nach Optimierung unter vollständigen Planungsregeln (2026). Quelle
Die genannten Listenpreise sind öffentlich abrufbar und dienen als Größenordnung; sie sind kein Anbietervergleich und keine Empfehlung. Preise etablierter Anbieter im deutschsprachigen Raum ließen sich nicht belegen, weil sie nicht veröffentlicht werden.
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LesenErst die eigene Zahl, dann der Vertrag.
Vier Wochen Ihrer echten Tourdaten, drei Wochen Rechenzeit: Kilometer, Touren und Fahrzeuge im Ist gegen Optimiert, dazu die schriftliche Liste Ihrer planungsbestimmenden Restriktionen. Damit prüfen Sie jedes SaaS-Angebot in einer Stunde – oder stellen fest, dass ein Mietprodukt vollkommen ausreicht.
Finden wir weniger als 5 % Kilometer-Potenzial, halbiert sich der Preis. Bei Umsetzung wird er vollständig angerechnet.
Häufige Fragen
Kurzantworten zu den Fragen, die dieser Text am häufigsten auslöst.
Was kostet Tourenplanung als SaaS?
Öffentlich belegbar sind zwei Preismodelle. Ein verbreiteter internationaler Anbieter listet 39 $ und 49 $ je Fahrer und Monat, bei Jahreszahlung 35,10 $ und 44,10 $. Ein anderer rechnet je Auftrag: bis 100 Aufträge im Monat kostenlos, dann 150 $ Grundpreis bis 1.000 Aufträge, darüber 15 bis 3 Cent je Auftrag. Die etablierten Anbieter im deutschsprachigen Raum veröffentlichen keine Preise und arbeiten mit Angebot und Demo. Nicht in den Listen enthalten sind Einführung, Schnittstellen, Datenaufbereitung und Schulung.
SaaS oder eigene Tourenplanungslösung – was ist günstiger?
Für einen Standardbetrieb ist SaaS in der Regel günstiger. Gerechnet mit veröffentlichten Listenpreisen kostet ein Mietmodell bei 25 Fahrzeugen rund 13.230 $ im Jahr und 66.150 $ in fünf Jahren, ohne Einführung. Die Rechnung dreht sich an zwei Stellen: wenn die Flotte deutlich wächst, weil der Mietpreis linear mitläuft und ein Projektaufwand nicht, und wenn eine planungsbestimmende Restriktion im Produkt fehlt, weil die daraus folgenden Workarounds als Personalstunden anfallen und in keiner Lizenzrechnung stehen.
Wann reicht eine SaaS-Tourenplanung nicht mehr aus?
An fünf Punkten. Erstens, wenn eine Restriktion Ihre Touren bestimmt, die das Produkt nicht kennt – mehrere Temperaturzonen, Wegetragfähigkeit, Rampenfenster je Kunde, Fahrerqualifikationen. Zweitens, wenn Ihr Wegenetz nicht kartiert ist, etwa auf Werksgelände, im Forst oder in der Landwirtschaft. Drittens, wenn die Planung in Ihrer eigenen App oder Ihrem Kundenportal erscheinen soll und Sie eine Komponente statt eines Programms brauchen. Viertens, wenn Datenhoheit eine Anforderung und keine Präferenz ist. Fünftens, wenn Sie zuerst eine Zahl zum Potenzial brauchen und noch kein Werkzeug.
Wo liegen unsere Daten bei einer SaaS-Tourenplanung?
Beim Anbieter, und das ist die Kernfrage des Betriebsmodells. Verarbeitet werden Adressen, Liefermengen, Zeitfenster und Fahrerpositionen – bei europäischen Anbietern eine Vertragsfrage, bei US-Anbietern zusätzlich eine Frage der Auftragsverarbeitung und des Drittlandtransfers. Wenn Verarbeitung in Deutschland zugesichert sein muss, fällt ein Teil des Marktes aus der Auswahl. Bei eviit laufen Verarbeitung und Hosting in Deutschland, und die Anwendungen funktionieren auch ohne Cloud-Anbindung.
Muss man sich zwischen SaaS und Eigenentwicklung entscheiden?
Nein, und das ist der häufigste Denkfehler. Tourenplanung besteht aus trennbaren Schichten: einer Routing-Engine für Wege und Fahrzeiten, einem Solver für die Tourenbildung und einer Oberfläche für die Disposition. Jede Schicht kann gemietet, selbst betrieben oder gebaut werden. Bewährt hat sich häufig, das Standardgeschäft im Mietprodukt zu lassen und nur den Teil, der dort nicht abbildbar ist, daneben zu rechnen und als Vorschlag zurückzugeben. Das hält die Einführung klein und die Entscheidung reversibel.